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Glossar

Glossar einiger moosspezifischer Fachausdrücke

Ein Pfeil -> vor einem Wort verweist auf einen Ausdruck, der ebenfalls in diesem Glossar erklärt wird.

  • abaxial: von der Abstammungsachse (Stämmchen) abgewandte Seite; bei Blättern die Unterseite FR
  • Achselhaare: einzellreihige, haarförmige Gebilde in den Achseln der Blätter der Laubmoose FR
  • adaxial: zur Abstammungsachse gerichtete Seite; bei Blättern die Oberseite FR
  • akrokarp: gipfelfrüchtig; bei den Laubmoosen Stellung der Sporangien endständig; der Gametophyt ist meist kaum verzweigt und bildet oft Polster; Gegensatz: -> pleurokarp FR
  • Amphigastrien: -> Unterblätter FR
  • Antheridien: männliche Geschlechtsorgane; meist gestielt, sackförmig; enthalten zahlreiche bewegliche Spermatozoide FR
  • Anulus: Ring zwischen der Kapselmündung und dem Deckel der Kapsel bei einigen Laubmoosen FR
  • Apophyse: mehr oder wenig deutlich abgesetzter, verdickter Teil zwischen Seta und Urne bei einigen Laubmoosen FR
  • Archegonien: weibliche Geschlechtsorgane; flaschenförmig; enthalten je eine Eizelle FR
  • Assimilationslamellen: mehrere Zellen hohe, einzellschichtige Lamellen auf der Lamina einiger Laubmoose; dienen der Assimilation, durch die Lamellen wird das Blatt funktionell mehrzellschichtig FR
  • Atemhöhle: Hohlräume in den Thalli der komplex thallösen Lebermoose unter den Atemporen FR
  • Atemporen: aus mehreren Zellen gebildete Öffnung in der Epidermis der komplex thallösen Lebermoose FR
  • autözisch: männliche und weiblich Fortpflanzungsorgane (-> Antheridien und -> Archegonien) an derselben Pflanze aber in verschiedenen -> Gametangienständen FR
  • Bauchschuppen: einzellschichtige Auswüchse an der Bauchseite des -> Thallus bei komplex thallösen Lebermoosen FR
  • Bauchzellen: äusserste Zellschicht auf der ventralen Seite (-> adaxiale Seite) der Blattrippe der Laubmoose; Gegensatz: -> Rückenzellen (siehe auch Begleiterzellen und Deuter)FR
  • Begleiter: kleine, dünnwandige Zellen zwischen den -> Deutern und den -> dorsalen Stereiden im Blattrippen-Querschnitt einiger Laubmoose (sichtbar im Querschnitt)FR
  • Blattflügel: äusserer Teil der Blattbasis der Laubmoosblätter; in diesem Bereich sind die Zellen oft anders gestaltet, als in der übrigen Lamina; -> Blattflügelzellen FR
  • Blattflügelzellen (Flügelzellen): Zellen in den -> Blattflügeln; oft vergrössert, mit verdickten Wänden oder mit anderer Form und Farbe als die übrigen Zellen des Blattes FR
  • Bruchblätter: zerbrechliche Blätter, deren Fragmente der vegetativen Vermehrung dienen FR
  • Brutäste: meist mit kleinen schuppenförmigen Blättern besetzte Äste, die leicht abbrechen und der vegetativen Vermehrung dienen FR
  • Brutbecher: becherförmige Thallusauswüchse komplex thallöser Lebermoose, die -> Brutkörper enthalten FR
  • Brutblätter: der vegetativen Vermehrung dienende, leicht abfallende Blätter FR
  • Brutfäden: mehrzellige, fadenförmige -> Brutkörper FR
  • Brutkörper: ein- bis vielzellige, kleine Gebilde, die sich leicht von der Mutterpflanze ablösen und zu kompletten neuen Pflanzen auswachsen können FR
  • Brutsprosse: -> Brutäste
  • Bulbillen: blattachselständige, knospenförmige Kurztriebe mit reduzierten Blättern, die der vegetativen Vermehrung dienen FR
  • Deckel: bei der Sporenreife abfallender Teil der Kapsel der Laubmoose FR
  • Deuter: grosse Zellen in der mittleren Schicht der Blattrippe einiger Laubmoose, welche die Laminazellen miteinander verbinden (sichtbar im Querschnitt) FR
  • diözisch: zweihäusig, weibliche und männliche Fortpflanzungsorgane (-> Gametangien) kommen auf verschiedene Individuen vor; Gegensatz -> monözisch FR
  • diploid: mit doppeltem Chromosomensatz FR
  • distal: von der Ansatzstelle entfernt liegend (z.B. das Zellende in Richtung Blattspitze); Gegensatz -> proximal FR
  • dorsal (-> abaxial): rückseitig; bei Blättern die dem Stämmchen abgewandte Seite, bei Thalli und niederliegenden Sprösschen die dem Substrat abgewandte Seite; Gegensatz: -> ventral FR
  • Elateren: fadenförmige tote Zellen ("Schleuderfäden") mit schraubigen Wandverdickungen in der Kapsel von Lebermoosen; dienen durch hygroskopische Bewegung der Ausbreitung der Sporen FR
  • Endostom: innerer Kranz von Zähnen und -> Zilien bei Laubmooskapseln mit doppeltem -> Peristom (vergl. Exostom) FR
  • Epiphragma (Paukenhaut): dünne Gewebeschicht, welche nach dem Abfallen des Deckels zwischen den Spitzen der Peristomzähne bei den Sporenkapseln der Polytrichaceen aufgespannt ist FR
  • Exostom: äusserer Zahnkranz bei Laubmooskapseln mit doppeltem -> Peristom (vergl. Endostom) FR
  • Flagellen: lang ausgedünnte Ast-Enden FR
  • Flankenblätter: zweizeilig angeordnete, meist seitlich ausgebreitete Blätter der Lebermoose; vergl. -> Unterblätter FR
  • Flora: Bestand an Pflanzenarten in einer bestimmten Region oder einem bestimmten Gebiet; Verzeichnisse, in denen die Pflanzenwelt eines Gebietes, oft zusammen mit einem Bestimmungsschlüssel und Abbildungen aufgelistet wird, nennt man ebenfalls Flora FR
  • Flügelzellen: -> Blattflügelzellen
  • Fuss: unterster Teil des -> Sporophyten, der diesen auf dem -> Gametophyten verankert; mit besonderen Einrichtungen für Stoffaustausch FR
  • Gametangien: Geschlechtsorgane, in denen die Spermatozoide, bzw. Eizellen gebildet werden; die männlichen Gametangien werden -> Antheridien genannt, die weiblichen -> Archegonien FR
  • Gametangienstand: mit Hüllblättern versehene Gruppe von -> Gametangien (bei thallösen Lebermoosen auch ohne Hüllblätter an ±stark modifizierten Geschlechtsthalli) FR
  • Gameten: sexuell differenzierte Geschlechtszellen (Eizelle, Spermatozoide) FR
  • Gametophyt: gametenbildende, haploide Generation; bei den Moosen gehören dazu die grüne Moospflanze sowie -> Sporen, -> Protonema, -> Gameten und -> Kalyptra; Gegensatz: -> Sporophyt FR
  • Gemmen: -> Brutkörper FR
  • Glashaar: meist farblose, haarartig austretende Blattrippe an Laubmoosblättern FR
  • Glasspitze: farbloser, oberer Teil einiger Laubmoosblätter FR
  • Hals: unterer Teil der -> Kapsel, der keine Sporen enthält, aber oft Assimilationsgewebe und Spaltöffnungen besitzt; vergl. -> Urne FR
  • haploid: mit einfachem Chromosomensatz FR
  • Haube: -> Kalyptra FR
  • Hüllblätter: gewöhnlich modifizierte Blätter im Bereich der Gametangienstände; bei Archegonien der Laubmoose "Perichaetialblätter"; bei Antheridien der Laubmoose "Perigonialblätter"; bei Lebermoosen ohne besondere Bezeichnungen FR
  • Hypophyse: -> Apophyse FR
  • Kalyptra: Haube, die über dem Deckel der Laubmooskapsel sitzt; die Kalyptra entwickelt sich aus dem Archegonienhals, gehört also zum -> Gametophyten; sie schützt die Kapsel während der Entwicklung und fällt im reifen Zustand ab FR
  • Kapsel: Behälter, in dem die -> Sporen gebildet werden (das -> Sporangium des -> Sporophyten) FR
  • kleistokarp: sind Arten, deren Sporenkapseln keinen Deckel ausbilden und deren Sporen erst durch den Zerfall der Kapselwand frei werden FR
  • Kolumella: Säule aus nicht sporogenem Gewebe in der Mitte der -> Kapseln von Laub- und Hornmoosen FR
  • Lamina: Blattfläche, Blattspreite FR
  • Mamillen: Erhebungen der Oberfläche, die durch vorgewölbte Zellwände gebildet werden (vergl. -> Papillen); Adj. mamillös FR
  • monözisch: einhäusig, weibliche und männliche Fortpflanzungsorgane (-> Gametangien) kommen auf dem selben Individuum vor; man unterscheidet dabei -> autözisch, -> parözisch und -> synözisch; Gegensatz -> diözisch FR
  • Oberblätter: -> Flankenblätter
  • oberschlächtig: Anordnung der Blätter der Lebermoose, wenn die Ansatzstelle des vorderen(gegen die Sprösschenspitze gerichteten) Blattrandes oben liegt; das hat im Allgemeinen zur Folge, dass der Blick von oben auf die dorsale(dem Stengel abgewandte) Blattfläche fällt; Gegensatz: -> unterschlächtig; die Begriffe ober - und unterschlächtig lassen sich nur bei Lebermoosen mit schief stehenden Blättern anwenden FR
  • Öhrchen: -> Blattflügel, deren Rand ausgebuchtet ist FR
  • Ölkörper: Terpenoide enthaltende, stark lichtbrechende Zelleinschlüsse bei Lebermoosen FR
  • Ozellen: Zellen bestimmter Lebermoose, die sich von den umliegenden Zellen darin unterscheiden, dass sie keine Chloroplasten und nur einen einzigen, grossenÖlkörper haben, der die Zelle mehr oder weniger ausfüllt FR
  • Papillen: Erhebungen der Oberfläche, die durch Verdickung oder Auswüchse der Zellwand gebildet werden (vergl. -> Mamillen); Adj.papillös FR
  • Paraphyllien: pfriemliche oder zerschlitzte, stengelbürtige blattartige Gebilde zwischen den eigentlichen Blättern FR
  • Paraphysen: sterile Zellfäden zwischen den -> Antheridien und -> Archegonien der Laubmoose; dienen zum Schutz vor Austrocknung FR
  • parözisch: männliche und weiblich Fortpflanzungsorgane (-> Antheridien und -> Archegonien) in einem -> Gametangienstand, aber durch Hüllblätter getrennt; Antheridien in der Regel wenig unterhalb der Archegonien FR
  • Perianth: Hülle aus drei verwachsenen Blättern um die -> Archegonien und später den -> Sporophyten beblätterter Lebermoose FR
  • Perichaetium: Gesamtheit der Blätter, welche die Archegonienstände der Laubmoose umgeben; die Perichaetialblätter FR
  • Perigonium: Gesamtheit der Blätter, welche die Antheridienstände der Laubmoose umgeben; die Perigonialblätter FR
  • Peristom: Zahnkranz um dieÖffnung der Laubmooskapsel; kann aus 4, 16, 32 oder 64 Peristomzähnen bestehen, oder auch reduziert sein oder ganz fehlen; die Zähne sind meist hygroskopisch beweglich und dienen zur Regulierung der Sporenfreisetzung FR
  • Pleurokarp: seitenfrüchtig; bei den Laubmoosen Stellung der -> Sporangien an kurzen Seitenästen; der Gametophyt ist meist stark verzweigt und bildet flach anliegende Matten; Gegensatz: -> akrokarp FR
  • Protonema: Vorkeim; erstes Entwicklungsstadium des Gametophyten nach dem Auskeimen der Spore; besteht bei Laubmoosen meist aus verzweigten Zellfäden FR
  • proximal: in Richtung der Ansatzstelle liegend (z.B. das Zellende in Richtung Blattbasis); Gegensatz -> distal FR
  • Pseudoparaphyllien: kleine flächige Anhängsel der Stämmchen in der Umgebung der Äste bei vielen pleurokarpen Laubmoosen FR
  • Rhizoide: wurzelähnliche, verlängerte Zellen oder Zellfäden; dienen vor allem der Festheftung; bei Lebermoosen einzellig, bei Laubmoosen mehrzellig FR
  • Rhizoidgemmen: mehrzellige -> Brutkörper, die an den -> Rhizoiden gebildet werden FR
  • Rückenzellen: äusserste Zellschicht auf der dorsalen Seite (Unterseite) der Blattrippe der Laubmoose; Gegensatz: -> Bauchzellen FR
  • Schleimhöhlen: zuerst mit Schleim gefüllte Hohlräume in den Thalli der Hornmoose, später von Nostoc (ein Cyanobacterium) besiedelt; die Hohlräume sitzen über den Spaltöffnungen der Thallusunterseite FR
  • Schnabel: lang ausgezogene Spitze des Deckels der Laubmooskapsel FR
  • Schopfblätter: vergrösserte und dicht stehende Blätter an der Spitze von Laubmoosstämmchen FR
  • schopfig: Blätter gegen die Stämmchenspitze grösser und dichter stehend als an der Basis
  • Seta: Kapselstiel, Verdrehung der Seta FR
  • Sporangium: -> Kapsel FR
  • Sporen: Fortpflanzungszellen, werden im -> Sporangium (Kapsel) gebildet und dienen der Ausbreitung FR
  • Sporogon(ium): -> Sporophyt FR
  • Sporophyt: sporenbildende, diploide Generation; bei den Moosen die -> Kapsel mit der -> Seta und dem -> Fuss; diese sitzen auf dem Gametophyten und werden von ihm grösstenteils mit ernährt; Gegensatz: -> Gametophyt FR
  • Sprösschen: Einheit aus Stämmchen und Blättern (kann auch verzweigt sein) FR
  • Stereiden: verlängerte Zellen mit sehr stark verdickten Zellwänden und sehr kleinem Zelllumen in der Blattrippe und dem Stämmchen verschiedener Laubmoose (sichtbar im Querschnitt); in der Rippe unterscheidet man -> ventrale und -> dorsale Stereiden FR
  • Stolonen: kriechende Ausläufer, die der vegetativen Vermehrung und der Ausbreitung dienen FR
  • Stylus: Säule, Griffel; bei bestimmten Lebermoosen schmal längliche Struktur zwischen Stämmchen und Blattunterlappen FR
  • synözisch: männliche und weiblich Fortpflanzungsorgane (-> Antheridien und -> Archegonien) gemischt in einem -> Gametangienstand FR
  • Thallus: Lager, mehrzelliger Pflanzenkörper, der nicht in Stämmchen und Blätter gegliedert ist FR
  • Unterblätter: Blätter an der Unterseite der Lebermoosstämmchen, diese sind meist kleiner als die -> Flankenblätter und oft so winzig, dass sie kaum zu finden sind (dann oft als " fehlend " bezeichnet)
  • unterschlächtig: Anordnung der Blätter der Lebermoose, wenn die Ansatzstelle des vorderen (gegen die Sprösschenspitze gerichteten) Blattrandes unten liegt; das hat im Allgemeinen zur Folge, dass der Blick von oben auf die ventrale (dem Stengel zugewandte) Blattfläche fällt; Gegensatz: -> oberschlächtig; die Begriffe ober- und unterschlächtig lassen sich nur bei Lebermoosen mit schief stehenden Blättern anwenden FR
  • Urne: mittlerer, gewöhnlich dickster Teil der -> Kapsel, der die Sporen enthält; vergl. -> Hals FR
  • ventral (-> adaxial): bauchseitig; bei Blättern die dem Stämmchen zugewandte Seite, bei Thalli und niederliegenden Sprösschen die dem Substrat zugewandte Seite; Gegensatz: -> dorsal FR
  • Vitta: Streifen aus verlängerten Zellen mit verdickten Aussenwänden in der Mitte der Blattlappen einiger Lebermoose; kann eine Mittelrippe vortäuschen, ist aber, im Gegensatz zu einer echten Mittelrippe, nur eine Zellschicht dick FR
  • Vorkeim: -> Protonema
  • Zilien: haarförmige Gebilde am Rand von Blättern, an der Mündung der -> Perianthien, oder zwischen den Zähnen des Endostoms FR

H. Hofmann & E. Urmi 7.2012    ergänzt 02.2020